Östrogene (E) sind bei übergewichtigen Frauen in den Wechseljahren 50- bis 100-mal höher als bei schlanken Frauen, da auch Fettzellen Östrogene produzieren, und dies erklärt wahrscheinlich das höhere Risiko für Brustkrebs, das mit Übergewicht und weiblichem Geschlecht verbunden ist.
Übergewicht und Bewegungsmangel können zu einem erhöhten Insulinspiegel führen: Insulinresistenz ist die Folge. Chronisch hoher Insulinspiegel erhöht dann die Östrogene: Insbesondere Östron verschlimmert die Insulinresistenz. Es entsteht ein Teufelskreis: Erhöhtes Insulin erzeugt erhöhte Östrogene, was zu erhöhtem Insulin und Insulinresistenz führen kann, was wiederum zu einer Gewichtszunahme tendiert, die zur Produktion weiterer Östrogene führt.
Es ist eine Abwärtsspirale, die kein Ende zu haben scheint.
Die Östrogenspiegel variieren jedoch je nach Menopausenstatus. Vor der Menopause produzieren Frauen Östrogene hauptsächlich in den Eierstöcken, obwohl Fettzellen weiterhin Östrogene produzieren. Nach der Menopause produzieren Frauen Östrogene hauptsächlich in Fettgeweben. Übergewichtige oder fettleibige Frauen, die deutlich mehr Fettzellen haben, produzieren mehr Östrogene.
Vor der Menopause produzieren übergewichtige Frauen weniger Östrogen als normalgewichtige Frauen, da übergewichtige Frauen in der Prämenopause eher unregelmäßig ovulieren, was zu niedrigeren Östrogenspiegeln im Kreislauf führt. Nach der Menopause ist das Gegenteil der Fall: Übergewichtige Frauen haben konstant höhere Östrogenspiegel. Hinzu kommt, dass überschüssiges Fett nach der Menopause Östrogen aus Testosteron durch einen Prozess namens Aromatisierung produziert: Das betreffende Enzym heißt Aromatase. Fettleibigkeit senkt das Sexualhormon-bindende Globulin (SHBG) und erhöht so die freien Östrogene im Blut.
Gewichtszunahme steht auch im Zusammenhang mit Gebärmutterschleimhautkrebs, einer weiteren Folge eines Östrogenüberschusses: Tatsächlich sind 40% der Frauen mit Gebärmutterschleimhautkrebs fettleibig.
Der Anstieg des Östrogenspiegels in den Wechseljahren ist ebenfalls ein Risikofaktor für Brustkrebs.

